Beeren- und Blütensträucher jetzt schneiden

Der Winterschnitt an Sträuchern und Bäumen ist die erste grössere Arbeit im neuen Gartenjahr.

Noch sind die Gehölze im Garten vielerorts mit Raureif überzogen. Ein prächtiges Bild, wenn noch die Sonne das Ganze versilbert. Doch schon bald, wenn die Temperaturen etwas steigen, wird diese Pracht des Winters vorbei sein und die Schnittarbeiten können beginnen.
Mit einem gezielten Rückschnitt

  • soll die Form von Sträuchern erhalten bleiben
  • Das Volumen dem Standort entsprechend in Grenzen gehalten werden
  • Die Blühwilligkeit und die Fruchtbarkeit gefördert werden
  • Das Wachstum gehalten und ein frühzeitiges Altern verhindert werden.

Frühjahrsblüher blühen am zweijährigen Holz am schönsten
Diese Sträucher werden im Frühjahr vom Wurzelstock her ausgelichtet. Alte und abgedorrte Äste werden dabei flach über dem Boden weggeschnitten. Dann werden die Bodentriebe auf 10 bei ‚Weissen Spireen‘ die im Frühjahr blühen auf 20-25 reduziert. Dabei darauf achten, dass auch immer ein paar einjährige Triebe (Ruten ohne Seitentriebe) stehen bleiben. Sind die einzelnen Äste der Sträucher zu hoch gewachsen oder neigen sie sich zu stark, dann können diese Triebe zurückgeschnitten werden, aber immer auf Seitentriebe. Achtung! Äste nur soweit als notwendig einkürzen. Bei einem zu starken Rückschnitt, leidet die Form und das Wachstum wird auf Kosten der Blühwilligkeit zu stark gefördert.

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Forsythia vor dem Auslichtungsschnitt…
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…nach dem Auslichtungsschnitt

Auch bei Strauchbeeren entwickeln sich am zweijährigen Holz die schönsten Früchte
Johannis- und Stachelbeersträucher werden ebenfalls gut ausgelichtet, auf 10 bis 12 Triebe. Die einzelnen Triebe möglichst flach über dem Boden wegschneiden.
Dabei immer beachten, dass jedes Jahr zwei bis drei junge Triebe nachgezogen werden um das Wachstum des Strauches und eine gute Fruchtbarkeit zu erhalten. An den einzelnen Ästen der Beerensträucher sollte so wenig wie möglich geschnitten werden.

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Gut ausgelichtete Sträucher blühen besser und bringen höhere Erträge (Cassisstrauch)

Schnitt von Sträuchern die am neuen Holz blühen
Es gibt einige Gartensträucher, die Blühen an den Trieben die sich ab dem Frühjahr entwickeln, also im gleichen Jahr. Potentillas (Fünffingerkraut) oder Sommerspireen gehören dazu. Hier werden alle Triebe und jedes Jahr auf 15-20cm zurückgeschnitten.

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Stark hängende Astpartien bis auf aufrecht stehende Seitentriebe zurückschneiden (Spirea)

Auch der Sommerflieder blüht am neuen Holz. Alle Triebe des Sommerflieders auf sechzig cm zurückschneiden. Dürres Holz und zu enge Triebe ebenfalls ganz zurückschneiden.
Wo noch alte Sorten von Sommerflieder stehen, die sich gerne unkontrolliert weiter vermehren (invasiv), diese möglichst bald entfernen und mit neuen Sorten ersetzen, die sich nicht mehr selber weitervermehren. Das neue, vielfältige Sortiment in den schönsten Farben lässt keine Wüsche offen. Da die Blüten im Sommer auf dem Blütengrund Wasser speichern, ist das eine willkommene Tränke für Schmetterlinge.

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Ein guter Rückschnitt ergibt herrliche Blüten, hier am Sommerflieder. Die einzelnen Blüten des Sommerflieders enthalten Wasser und dienen den Schmetterlingen als Tränke an heissen Sommertagen.

Hibiskus, der Sonderling
Auch der Hibiskus Strauch blüht am neuen Holz. Mit dem Wachstum trägt er die Blüten immer höher und höher. Die einzelnen Triebe müssen so regelmässig zurückgeschnitten werden, immer auf Seitentriebe. Zusätzlich schneidet man die relativ kurzen, einjährigen (meist noch mit verdorrten Restblüten und Samenkapseln vom Vorjahr) auf zwei Augenpaare oder ca 5cm zurück. Dies führt zu mehr Kurztrieben im Folgejahr und somit zu einem reicheren Blütenflor.

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Beim Hibiskusstrauch die einjährigen Seitentriebe (helle Farbe) auf 5cm zurückschneiden.


 Beim Hibiskusstrauch die einjährigen Seitentriebe (helle Farbe) auf 5cm zurückschneiden (blüht intensiver)

Sträucher die am mehrjährigen Holz blühen und Fruchten
Hierzu gehören vorwiegend die Wildsträucher, Rhododendren mit eingeschlossen. Bei den Wildsträuchern ist die Grösse von der Art her gegeben. In Wildhecken werden diese von Zeit zu Zeit auf eine gewisse Höhe (Stockschnitt) zurückgeschnitten. Das kann auch in Gärten gemacht werden, aber Achtung! Auf einen starken Rückschnitt reagieren die Wildsträucher mit einem starken Wuchs mit wenig Blüten und Früchten. Wildsträucher für den Garten werden deshalb sorgfältig ausgewählt nach Grösse und Form. Wildrosen, Haseln (wo Platz genug vorhanden ist), Kornelkirschen, kleinwüchsige Weiden und Felsenbirnen sind sicher Sträucher die das Gartenbild bereichern und zum Teil auch einen Ertrag in Form von Früchten oder Nüssen bringen. Bei diesen Sträuchern wird im Anfang kaum und später nur wenig geschnitten. Nur bei der Weide (Wildform, nicht veredelt) ergibt ein starker Stockschnitt alle vier Jahre wieder mehr und schönere, womöglich silbrig weisse Kätzchen.
Bei Rhododendren wird das dürre Holz ausgeschnitten und ganze Triebe die auf Gehwege hinaus wachsen. Sonst den Strauch in Ruhe lassen. Möglichst keine Bodentriebe wegschneiden, weil diese durch den Wurzelstock kaum ersetzt werden.